Erste Hilfe Jagd

Wir möchten der Zielgruppe Jäger und Waffenträger (zivil) die Möglichkeit geben, in einer spannenden Form die nötigen Erste Hilfe Kenntnisse zu erlernen, damit sie in der Notfallsituation auch abrufbar sind. Die Grundausbildung und das Training erstrecken sich über ein Wochenende in einer geeigneten Schulungseinrichtung, die einen schnellen Zugang ins Gelände (Wald) ermöglicht, damit möglichst viele Ausbildungs-abschnitte (mindestens 50 %) im Freien absolviert werden können. Der Umfang von 20 Unterrichtseinheiten lässt sich zwar auch an Samstag/Sonntag absolvieren, bei Anreise schon am Freitag Abend oder eine Theorieeinführung vor dem eigentlichen Kurs, lässt sich der Kurs entspannter abhalten und gibt den Teilnehmern auch noch Zeit für einen Austausch. Im Gegensatz zum Personalschlüssel der üblichen Erste Hilfe Kursen der Hilfs-organisationen von 1 : 20 (Ausbilder : Teilnehmer) empfehlen wir einen Personalschlüssel von 1 : 10, was eine deutlich höhere Lernkurve und Festigung bewirkt.


Grundkurs Erste Hilfe Jagd

Die Grundausbildung Erste Hilfe Jagd enthält alle klassischen Inhalte eines Erste Hilfe Kurses gemäß der DGUV-Vorschrift (9 Unterrichtseinheiten) und wird als solches auch (über einen gemeinnützigen Verein) zertifiziert: Auffinden einer Person, Absicherung der Unfallstelle (Eigenschutz), Notruf, Versorgung von Verletzten und Erkrankten, alles mit dem Schwerpunkt auf die Belange des Jägers oder Waffenträgers und auch zu 50 % im Freien.

 Zusätzlich werden erweiterte Erste Hilfe Maßnahmen und spezielle Materialien unterrichtet, die der Jäger oder seine Gehilfen im Gelände mitführen und auch anwenden kann (9 Unterrichtseinheiten): Umgang mit Tourniquet (Abbindeeinheit für starke Blutungen), Notfallverbänden (sog. Israeli-Bandage, die ebenfalls zur Versorgung von starken Blutungen entwickelt wurden) und hämostatischen Verbänden (die Blutungen in Gelenken oder den großen Körperhöhlen verschließen, welche nicht abgebunden werden können), Fallszenarien im Gelände mit geschminkten Wunden und Mimen, um eine sehr realistische Situation zu gestalten, die einen hohen Lernerfolg garantiert. Das von der NAEMT (amerikanischen Rettungsdienstbehörde) herausgegeben Unterrichtskonzept zur behandlung von kritischen Blutungen B-Con ist ebenfalls mit 2 Unterrichtseinheiten integriert.

Training Erste Hilfe Jagd

Beim Erste Hilfe Training Jagd wird der Stoff der Grundausbildung nach dem Leistungsstand der Teilnehmer und deren Wünschen wiederholt und erneut eingeübt. (Fortbildung Erste Hilfe gem. BG 9 UE)

 Darüber hinaus erfolgt eine Unterweisung der erweiterten Maßnahmen zur Atemwegssicherung: Anlage von Chestseals (Verschlussmöglichkeit von Schusswunden im Brustbereich), Entlastungspunktion mit speziellen Nadeln (im Falle eines Spannungspneumothorax), Atemwegssicherung mit Hilfe von Wendel-Tuben (die mit Hilfe eines Gleitgels bei Bewusstlosen in die Nase eingeführt werden).

 Alternativ zum erweiterten Atemwegsmanagement kann beim Training auch einfach die gesamte Bandbreite der Versorgung von jagdspezifischen Unfällen in Form von Fallszenarien intensiv geübt werden oder andere Schwerpunkte unterrichtet werden: z.B. das Ruhigsstellen/Schienen von Frakturen oder Wirbelsäulentraumata oder der Transport von Verletzen im unwegsamen Gelände.

 Wir empfehlen ein Erste Hilfe Training alle zwei Jahre, damit diese lebenswichtigen Fähigkeiten stets abrufbar bleibt. Erste Hilfe am Hund ist nicht Thema unserer Ausbildung.

Hintergrund

Für viele Outdoorsportarten und Zielgruppen gibt es bereits eigene Erste Hilfe Kurskonzepte, die speziell auf die Belange zugeschnitten sind. Es werden sogar mehrere Kurse für Erste Hilfe am Hund angeboten. Jedoch noch keine spezifische Ausbildungs- und Trainingsmöglichkeit für Jäger und Waffenträger (außerhalb von Behörden).

 Angefangen vom Zecken- oder Hundebisse, über den Sturz vom Hochsitz oder der Attacke eines Wildschweins, bis hin zu den unterschiedlichen Schussverletzungen kann es zu den diversen Notfällen im Revier für den Jäger kommen, mit ganz spezifischen, z.T. nicht unerheblichen Verletzungsmustern. Auf all das sollte ein Jäger im Sinne des Eigenschutzes (VSG) vorbereitet sein, aber vor allem um Anderen im Notfall zu helfen. Für Jagdpächter oder Gastgeber von Jagdgesellschaften (Unternehmer i.S. der VSG) gelten die betrieblichen Regelungen der Ersten Hilfe und noch höhere Anforderungen bzw. Verantwortlichkeiten. Auch, da Jagdunfälle in der Öffentlichkeit sehr kritisch gesehen werden, ist eine schnelle, effiziente Versorgung von Verletzten wichtig um noch größere Schäden zu vermeiden.

Im Bereich der notfallmedizinischen Versorgung und Ausrüstung haben sich in den letzten Jahren (bedingt durch die Erfahrungen im Krieg Irak/Afghanistan) sehr viele Neuerungen, ergeben, die auch eine mögliche Versorgung durch Ersthelfer betreffen. Diese gehen weit über das des normalen „Führerscheinkurses“ Erste Hilfe hinaus. Weiterhin sind die klassischen Lehrsaalkurse zum Vermitteln der praktischen Erste Hilfe Kenntnisse nicht mehr zeitgemäß. Eine handlungsorientierte Ausbildung mit viel Praxis in Form von Skilltraining und der Bewältigung von komplexen Notfallszenarien in Fallsimulation verspricht einen langfristigen Wissenserwerb.